Medienerziehung

Die Burgunderschule war Pilotschule zur Erprobung des Medienpass NRW.

Konzept zur Medienerziehung an der Burgunderschule

1. Einleitung
Medien nehmen einen immer größeren Raum im Leben der Schülerinnen und Schüler ein. Sie begegnen einem breiten Spektrum an Medien, was Chancen bietet, aber auch zu Problemen führen kann.
Eine sinnvolle Verwendung der verschiedenen Medienangebote beispielsweise zur Information, zum Lernen, zur Unterhaltung, zur Kommunikation oder zum Spielen eröffnet den Kindern Chancen.
Demgegenüber gibt es bei der Mediennutzung Aspekte, die problematisch sind: die Überreizung des Seh- und Hörsinns, mangelnde Bewegung, fehlende Primärerfahrungen, weniger soziale Kontakte, Überforderung durch Mediennutzung. Diese Aspekte können Auswirkungen auf die kindliche Entwicklung haben.
Damit die Chancen der Medien besser genutzt und die Probleme bewusster gemacht werden können, ist es wichtig, Kindern Medienkompetenz zu vermitteln.

2. Grundlagen der Medienpädagogik
Was ist Medienpädagogik?
Medienpädagogik umfasst sowohl die medienerzieherische als auch die mediendidaktische Perspektive. In der Medienerziehung werden Medien zur Gestaltung eigener Medienbeiträge genutzt und selber zum Gegenstand des Lernens und der erzieherischen Reflexion. In der Mediendidaktik dagegen werden Überlegungen zu einer sinnvollen Medienverwendung gemacht, um Lernprozesse anzuregen und zu unterstützen.

Rechtliche Grundlagen
Der Bereich der Medienpädagogik ist sowohl im Schulgesetz als auch in den Richtlinien rechtlich verankert.
Laut Schulgesetz sollen Schülerinnen und Schüler befähigt werden, „verantwortlich am sozialen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, beruflichen, kulturellen und politischen Leben teilzunehmen und ihr eigenes Leben zu gestalten.“  Dabei sollen sie „insbesondere lernen, mit Medien verantwortungsbewusst und sicher umzugehen.“  Der Bereich der Medien ist somit ein Bereich, der im Rahmen des Bildungs-und Erziehungsauftrags der Schule besonders gefördert werden soll.
Nach den Richtlinien des Landes Nordrhein-Westfalen für die Grundschulen vermittelt der Unterricht den Kindern „eine Orientierung über  wichtige Informationsmöglichkeiten und leitet sie an, vorhandene Informations- und Kommunikationsmedien sinnvoll zu nutzen“ . Weiterhin „erfahren die Schülerinnen und Schüler Möglichkeiten und Beschränkungen einer durch Medien geprägten Lebenswirklichkeit“  und entwickeln ihre Medienkompetenz.

Medienpädagogische Kompetenz von Lehrkräften
Damit Lehrkräfte den Aufgaben der Medienpädagogik gerecht werden können, benötigen sie medienpädagogische Kompetenz. Das Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen hat sechs Bereiche medienpädagogischer Kompetenz festgelegt:

1    Selbst medienkompetent handeln, d.h.
•    Medien und Informationstechnologien angemessen handhaben,
•    Medien und Informationstechnologien für unterschiedliche Funktionen nutzen,
•    Medien und Informationstechnologien selbst gestalten,
•    Mediengestaltungen und funktionale Prinzipien der Informationsverarbeitung verstehen,
•    Medieneinflüsse sowie Bedingungen von Medienproduktion und -verbreitung durchschauen und kritisch einordnen,
•    Einflussmöglichkeiten wahrnehmen und an der Entwicklung von Medienkultur mitwirken.


2    Den Stellenwert von Medien und Informationstechnologien für Kinder und Jugendliche in sensibler Weise erfassen und als Voraussetzung des Lernens mit und über Medien und Informationstechnologien berücksichtigen, d.h.
•    die Bedeutung von Medien und Informationstechnologien für Kinder und Jugendliche bzw. für ihre Identitätsentwicklung erfassen, insbesondere die Einflüsse auf Gefühle, Vorstellungen, Verhaltensweisen und Wertorientierungen berücksichtigen,
•    Geschlechterverhältnisse und Geschlechterdifferenzen sowie soziale Differenzen beim Zugang zu und beim Umgang mit Medien und Informationstechnologien reflektieren,
•    die Ausgangssituation des Lernens mit und über Medien und Informationstechnologien analysieren.


3    Medien und Informationstechnologien als Hilfsmittel für Unterrichten und Beurteilen bzw. für neue Lehr- und Lernformen nutzen, d.h.
•    Medien und Software für den fachlichen und fachübergreifenden Unterricht nach bildungs- und lernrelevanten Kriterien analysieren und auswählen,
•    Konzepte für die Verwendung von Medien und Software im Rahmen weiterentwickelter Lehr- und Lernformen erarbeiten und umsetzen,
•    Medien und Informationstechnologien zur eigenen Unterrichtsvorbereitung nutzen,
•    Schülerinnen und Schüler anregen und unterstützen, Medien und Informationstechnologien als Gestaltungs-, Präsentations- und Problemlösehilfen zu verwenden,
•    die unterschiedlichen Möglichkeiten und Grenzen von Medien durch Evaluationsverfahren erfassen und die Ergebnisse zur Optimierung nutzen.


4    Erziehungs- und Beratungsaufgaben zu Medienfragen im Sinne von Medienerziehung und Informations- und Kommunikationstechnologischer Grundbildung wahrnehmen und entsprechende Unterrichtseinheiten und Projekte durchführen, d.h.
•    Beispiele zur Medienerziehung und Informations- und Kommunikationstechnologischen Grundbildung analysieren und bewerten und eigene Projekte und Unterrichtseinheiten konzipieren,
•    Lernprozesse im Sinne von Medienerziehung und Informationstechnischer Grundbildung bei den Schülerinnen und Schülern unter Berücksichtigung von Geschlechterdifferenzen sowie sozialer Unterschiede anregen und unterstützen,
•    die Schülerinnen und Schüler im Hinblick auf einen selbstverantwortlichen, reflektierenden und kritischen Umgang mit Medien und Informationstechnologien beraten,
•    die Bedeutung von Medien und Informationstechnologien für inhaltliche und methodische Fragen des Faches und fachübergreifender Zusammenhänge einschätzen,
•    Innovationsfähigkeit hinsichtlich der Weiterentwicklungen der Informationstechnologien erwerben.

5    Medien und Informationstechnologien für Verwaltungs- und Organisationsaufgaben des Lehrberufs nutzen, d.h.
•    Medien und Informationstechnologien mit Bezug auf berufliche Erfordernisse beherrschen und ihre Funktionsweisen durchschauen,
•    Medien und Informationstechnologien für Funktionen im Bereich von Verwaltung und Organisation zeitökonomisch und sachgerecht verwenden.

6    Personelle, ausstattungsbezogene, organisatorische und weitere institutionelle Bedingungen für medienpädagogische Aufgaben in der Schule erfassen, gestalten und an der Erarbeitung eines medienpädagogischen Konzepts im Sinne von Schulentwicklung mitwirken, d.h.
•    die Bedeutung der Medien für die Rolle der Lehrperson und ihre beruflichen Funktionen bzw. für Fragen der Professionalität des Lehrberufs einschätzen,
•    schulische Bedingungen von Medienverwendung, Medienerziehung und Informations- und Kommunikationstechnologischer Grundbildung analysieren, Verbesserungsvorschläge entwickeln und umsetzen,
•    schulische Konzepte zur Medienpädagogik und Informations- und Kommunikationstechnologischen Grundbildung entwerfen, kollegial abstimmen und an der Umsetzung mitwirken.

Die Vermittlung dieser sechs Bereiche medienpädagogischer Kompetenz ist Ziel der Lehrerausbildung und –fortbildung.
Ziel und Aufgabenbereiche (Kompetenzbereiche)
Das allgemeine Ziel der Medienpädagogik ist nach Tulodziecki, „Kinder und Jugendliche […] zu einem sachgerechten und selbstbestimmten, kreativen und sozialverantwortlichen Handeln in einer von Medien durchdrungenen Welt“  zu befähigen.

Sachgerechtes Handeln  -  Vorbeugung der Gefahr, dass Medien verzerrte Vorstellungen über Realität hervorrufen
Bsp.: Verbindung des Berufs der Polizistin oder des Polizisten mit Begriffen wie Mord, Totschlag, Vergewaltigung

Selbstbestimmtes Handeln  -  Vorbeugung möglicher Fremdbestimmung durch Medieneinflüsse
Bsp.: bestimmte Hits, Musikgruppen oder Fernsehserien kennen, um „in“ zu sein

Kreatives Handeln  -  Vorbeugung des bloßen Medienkonsums
Gegenpol zur aufnehmenden Mediennutzung bilden

Sozialverantwortliches Handeln -   Vorbeugung der Übernahme von unreflektierten Verhaltensmustern
Bsp.: Übernahme ich-bezogener, hedonistischer oder aggressiver Verhaltensmuster
Abbildung 2: Leitideen (Richtziele) der Medienpädagogik nach Tulodziecki

Auf Grundlage dieser Zielvorstellung nennt Tulodziecki fünf Aufgabenbereiche (Kompetenzbereiche ) der Medienpädagogik:
Auswählen und Nutzen von Medienangeboten
(Bedien-, Methodenkompetenz)    Medienangebote bewusst im Sinne verschiedener Funktionen (z.B. Unterhaltung, Information, Lernen, Spielen, Kommunikation) nutzen
? unterschiedliche Medienangebote funktionsbezogen vergleichen
? nicht-mediale Handlungsmöglichkeiten in Betracht ziehen bzw. abwägen
Bsp.: zu einem Thema Informationen aus verschiedenen medialen Angeboten nutzen

Gestalten und Verbreiten eigener Medienbeiträge
(Bedien-, Methodenkompetenz)    Eigene Aussagen medial vermitteln
? Handhabung entsprechender Geräte einführen
? deren Gestaltungstechniken handelnd erfahren
Bsp.: Zeitungsprojekt

Verstehen und Bewerten von Mediengestaltungen
(Reflexionskompetenz)    Mediengestaltungen angemessen verstehen und bewerten
? mediale Gestaltungsmittel (Darstellungsformen, Gestaltungstechniken, Gestaltungsarten) von Schrift, Bild und Ton kennen lernen
? Mediendarstellungen als vermittelte oder inszenierte Botschaften erfahren
? verschiedene mediale Gestaltungsabsichten (z.B. Information, Aufklärung, Unterhaltung) unterscheiden
Bsp: in Gruppen ein Thema medial umsetzen und anschließend hinsichtlich der oben genannten Aspekte vergleichen und bewerten

Erkennen und Aufarbeiten von Medieneinflüssen
(Reflexionskompetenz)    von Medien ausgehende Einflüsse erkennen, ausdrücken, angemessen einordnen bzw. aufarbeiten
? mediale Gestaltungsmerkmale, die mit bestimmten Wirkungen verbunden sind, durchschauen
? zwischen medialer Darstellung und Realität unterscheiden
Bsp.: Konfliktlösemuster, wie sie in vielen Medienangeboten präsentiert werden, thematisieren

Durchschauen und Beurteilen von Bedingungen der Medienproduktion und –verbreitung
(Reflexionskompetenz)    Institutionelle und politische bzw. gesellschaftliche Bedingungen der Medienproduktion und Medienverbreitung durchschauen und beurteilen
Bsp.: in der Rolle von Redakteuren Topmeldungen aus verschiedenen Meldungen auswählen und präsentieren

Im Rahmen der Entwicklung des Medienpasses NRW werden folgende Kompetenzbereiche genannt:
•    Bedienen  / Anwenden
•    Informieren / Recherchieren
•    Kommunizieren / Kooperieren
•    Produzieren / Präsentieren
•    Analysieren / Reflektieren

Für die Umsetzung in der Schule sollten folgende Aspekte beachtet werden :
•    Medienbildung als kontinuierlicher Prozess über verschiedene Jahrgangsstufen und unter Beteiligung verschiedener Fächer
•    Alle Aufgabenbereiche in aufbauender Form berücksichtigen
•    Das gesamte Medienspektrum beachten und dabei die altersspezifische Mediennutzung und den jeweiligen Entwicklungsstand der Kinder berücksichtigen
•    Exemplarische Einsichten herbeiführen, die auch für andere Medien bedeutsam sind
•    Kategorische Einsichten herbeiführen, die für zukünftige Entwicklungen der Medienlandschaft grundlegend sind

3. Medienkonzept der Burgunderschule
Rahmenbedingungen/technische Ausstattung
Die Burgunderschule verfügt über einen Computerraum mit acht Computern, die alle einen Internetzugang haben. Zusätzlich befinden sich in jedem Klassenraum jeweils zwei Computer, ebenfalls mit Internetzugang. Alle Computer, zu denen die Schülerinnen und Schüler Zugang haben, sind mit einem Sicherheitssystem versehen, sodass bestimmte Internetseiten nicht zugänglich sind. Weiterhin sind diese Computer mit einem freien Textverarbeitungsprogramm (Open Office) ausgestattet. An Software steht den Kindern die Lernwerkstatt zur Verfügung. Außerdem steht den Schülerinnen und Schüler das Leseförderungsprogramm Antolin und die  Materialien des Internetführerscheins „internet-abc“ zur Verfügung.

Im Schuljahr 2011/2012 nimmt die Burgunderschule als Pilotschule an der Erprobung des Medienpasses NRW teil. Von Februar 2012 bis zum Schuljahresende haben wir die Möglichkeit, einen der o.a. fünf Kompetenzbereiche auszuwählen und zu erproben. Die Erfahrungen hierzu werden wir auf einer Arbeitsplattform dokumentieren und diskutieren. Des weiteren stehen uns in dieser Zeit begleitende Fortbildungen zur Verfügung. Zum Ende des Schuljahres wird es eine Zusammenfassung und Evaluation geben, dies wir auf einem abschließenden Kongress im Juni 2012 vorgestellt.

Insgesamt ist uns ein verantwortungsvoller Umgang mit den modernen Medien sehr wichtig. Um auch auf die Gefahren von Handys und Internet aufmerksam zu machen veranstalten wir alle zwei Jahre einen Elternabend für die Eltern der 3. und 4. Klassen zum Thema Gefahren im Netz, der von einer Kriminaloberkommissarin (Dezernat Vorbeugung) gehalten wird.

Literatur
?    Jürgens, Eiko: Die ‚neue‘ Reformpädagogik und die Bewegung Offener Unterricht. Academia Verlag. S. 32 - 35
?    Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen (MSW): Richtlinien und Lehrpläne für die Grundschule des Landes Nordrhein-Westfalen. Frechen: Ritterbach Verlag.
?    Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen (MSW) (2011): Die sechs Bereiche medienpädagogischer Kompetenz. Verfügbar unter: http://www.zfsl.nrw.de/Konzepte/Portfolio_Medien_Lehrerausbildung/medienpaedagogische_Kompetenz/index.html [27.10.2011]
?    Schulgesetz für das Land Nordrhein-Westfalen (SchulG). Stand: 15.04.2011
?    Tulodziecki, Gerhard (1998): Medienpädagogik. Verfügbar unter: http://www.mediaculture-online.de/fileadmin/bibliothek/tulodziecki_medienpaedagogik/tulodziecki_medienpaedagogik.pdf  [27.10.2011]
?    Tulodziecki, Gerhard (2001): Medienkompetenz als Aufgabe von Unterricht und Schule. Verfügbar unter: http://dbbm.fwu.de/semik/publikationen/downloads/tulo_vortrag.pdf [27.10.2011]
?    zebralog (2011): Online-Konsultation zum Medienpass NRW unter medienpass.nrw.de-Inhaltliche Auswertung. Verfügbar unter: https://medienpass.nrw.de/sites/default/files/Auswertungsbericht_Medienpass_110909.pdf [27.10.2011]
Anhang